Alle Artikel veröffentlicht in ‘Spiritualität

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Die Zeichen der Zeit und das globale Schlamassel

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Alle reden übers Klima. Über Johnson und Trump. Unsere verrückte Welt. Und wie es weiter gehen soll. In den vergangenen fünf Tagen haben wir das auch getan. Aber auf ganz andere Weise als sonst häufig. Darüber will ich kurz erzählen.

Das Format „Con:Fusion“ haben wir nun zum dritten Mal in fünf Jahren ausprobiert. Jedes mal war es (wo)anders, jedes mal war es gut. In diesem Jahr waren wir auf dem Lindenhof in Hemmersheim. Das war eine ziemlich gute Wahl, denn der ökologische Ansatz des Hofes vertrug sich gut mit unserem Thema. Gemeinsam wollten wir danach fragen, wie wir als Christen in diesen Zeiten ein neues Verhältnis zu unserer Erde entwickeln können. Wie sich eine widerstandsfähige Spiritualität entfalten kann, die in diesen Zeiten trägt. Wie wir selbst hoffnungsvolle Worte in diese Welt sprechen können und von welchen fremden Worten wir noch lernen können.

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Unverfügbarkeit und Resonanz

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In diesem Jahr besuche ich eine dreiteilige Fortbildung zum Thema „Lustvolles Lassen“. Dieses Thema passt gut in die „Zeit der Freiräume“, die unsere Landeskirche ausgerufen hat. Dabei geht es nun allerdings nicht darum, ausgerechnet das Lustvolle sein zu lassen, wie schon jemand vermutete, sondern vielmehr darum, das Lassen von Dingen/Projekten/Terminen auf lustvolle Weise zu praktizieren. Genau das kommt einem ja zunächst oft sehr schwer vor, kann dann aber im Vollzug und im Rückblick tatsächlich nicht nur befreiend, sondern regelrecht beglückend sein. Viele gute Impulse habe ich schon bekommen im Rahmen dieser Fortbildung und im Austausch mit den anderen TeilnehmerInnen.

In diesem Zusammenhang ist mir auch ein Text aus dem neuen Buch von Hartmut Rosa über die Unverfügbarkeit begegnet, den ich hier ein wenig zusammenfassen und kommentieren möchte, weil er mich angesprochen hat (um das „Angesprochen-Werden“ geht es dann übrigens auch in dem Text selbst). Es handelt sich um die Kapitel 2 und 5 (für diejenigen, die das Buch kennen oder zu Hause stehen haben).

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Scheiß-drauf-Momente

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Was wäre die Welt ohne diese Scheiß-drauf-Momente, die genau diese unsere Welt so viel besser machen? Heute vormittag wurde ich wieder Zeuge eines solchen denkwürdigen Moments. Und das kam so:

Für eine kurzen Input zum Auftakt des Schul-Sportfestes morgen früh habe ich überlegt, etwas zum Thema „Wasser“ zu sagen. Keine Ahnung, wie ich da gestern bei 37° im Garten sitzend drauf gekommen bin. Ganz schnell war ich gedanklich bei der unterschiedlichen Verfügbarkeit von gutem Wasser auf unserem Planeten und damit auch bei dem fantastischen Projekt „viva con agua“ (ich hoffe doch sehr, Ihr seid dieser tollen Sache schon auf Festivals, in gut geführten Tagungsstätten oder an anderen Stellen begegnet).

https://www.instagram.com/p/BtJN1-4F8Om/
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Eine alltagstaugliche, spielerische Spiritualität

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Als Jugendlicher habe ich gelernt, wie man als Christ den Kontakt zu Gott hält, nämlich vor allem durch eine (in der Regel morgens) durchzuführende „Stille Zeit“, die aus den Elementen (1) Bibel-Lese und (2) Gebet besteht. In Zeiten meines Lebens hat diese regelmäßige Routine auch recht gut funktioniert. In den meisten Zeiten allerdings leider nicht. Ich kenne viele, denen es ähnlich geht. Dafür gibt es viele Gründe: Manche von uns sind einfach zu undiszipliniert, manche haben Kinder, andere Schichtdienst und wieder andere sind Morgenmuffel. Und noch bei anderen haut es einfach nicht hin und sie wissen auch nicht, wieso. So isses bei mir. Ich hab aber aufgehört, mich dafür schlecht zu fühlen. Vielleicht kommt mal wieder eine Zeit, wo es besser klappt, vielleicht auch nicht.

Aber wenn eine Sache nicht so richtig klappt im Leben, kann man sich ja fröhlich was anderes suchen. Da bin ich gerade mal wieder bei und wollte euch gerne Anteil daran geben.

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Leben. Liebe. Kirche.

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Die letzte Woche habe ich an zwei sehr unterschiedlichen Orten verbracht. Mit unterschiedlich vielen Menschen. Und unterschiedlichem Komfort. Zum einen auf einem Festivalgelände in der Nähe von Cuxhaven. Zum anderen im katholischen bischöflichen Priesterseminar zu Hildesheim.

Spontan aufm #deichbrand #traumwetter #deichbrand2017

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Deichbrand

Schon vorher hatte ich damit geliebäugelt, da ich an meinem letzten Urlaubswochenende noch nicht viele Pläne gemacht hatte. Dann hatten Bekannte von mir auf einmal eine Karte fürs Deichbrand-Festival übrig und der vom Ticket Zurückgetretene wollte noch nicht einmal einen Cent dafür haben. Tja, da hab ich deutlich kürzer überlegt als die UEFA-Verantwortlichen gestern Abend für die Absage des EM-Viertelfinals und bin spontan mitgefahren. Jeder, der einmal dort oder an anderen vergleichbaren Orten war, weiß: Festivals sind Orte voller Leben, voller Liebe und voller Alkohol. Aber eben vor allem voller Leben. Auch Orte, an denen man sich einmal nicht gesellschaftskonform, kundenfreundlich, den Erwartungen entsprechend oder obrigkeitshörig verhalten muss. Irgendwie entrückte Orte. Eine andere Welt.

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Einmalig

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Heute denken wir an die Toten. Jeder Mensch ist einmalig.

Einer von denen, die im letzten Jahr gestorben sind, hat damals die Briten ausgetrickst.
Ein anderer hat nach der Wende erfahren, dass seine besten Freunde ihn bespitzelt hatten.

Eine ist immer ohne Geld zum Einkaufen gegangen – „erstmal nur gucken“.
Ein anderer hatte ein eigenes Eisfach – nur für sein Eis.
Und eine war oft stundenlang im Imbiss, weil es da so schön war.
Viele haben gerne gelebt.

Eine hat immer montags geputzt, denn am Dienstag kam ja die Putzfrau.
Eine andere war ihr Leben lang immer überall fremd.
Und noch eine andere konnte mit 86 Jahren noch ihre Füße mit den Fingerspitzen berühren.

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Von der Gnade

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Man kann nicht von der Verletzlichkeit sprechen, ohne von der Gnade zu sprechen. Oder zumindest ich kann es nicht. Ich kann auch nicht vom Scheitern sprechen, ohne von der Gnade zu sprechen.

Das wurde mir neulich in einem Gespräch mit einer Freundin deutlich. Ich hatte davon erzählt, dass ich das Gefühl habe, in einem bestimmten Bereich meines Lebens an meinen eigenen Wünschen und Ansprüchen gescheitert zu sein. Auf den Begriff „scheitern“ reagierte sie sehr entschieden und wollte dies (auch für mich) nicht gelten lassen. Ich war selbst zunächst überrascht über diese Reaktion. Im weiteren Gespräch habe ich sie besser verstehen können – für sie hatte der Begriff etwas Verurteilendes.

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Von der Verletzlichkeit

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In den letzten 10 Tagen hat mich ein Thema an drei verschiedenen Orten begleitet – zu Hause in Nordhorn, in England bei der Northumbria Community und schließlich in Niederhöchstadt auf dem Emergent Forum. Manches von dem, was ich nun hier aufschreiben kann, habe ich sicher auch vorher schon erahnt oder intuitiv gelebt – jetzt wird mir aber klarer, warum es mir so wichtig ist für das Zusammenleben mit anderen Menschen. Es geht um die Verletzlichkeit.

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Sonne. Und Regen. Und Sonne. Mein Pfingsten.

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Vor gut einem Jahr haben wir es zum ersten Mal versucht. Ich hatte Leute, die sich zum Teil gar nicht kennen, an unseren Küchentisch eingeladen. Und wir haben uns gegenseitig Lieder und Texte geschenkt – mit ihnen viel Persönliches, Geschichten aus den Leben. Zwischen diesem ersten Treffen und dem zweiten lag eine lange Zeit. In etwas veränderter Besetzung dann aber gestern Runde Nummer zwei. Thema war „Sonne. Und Regen. Und Sonne.“

Ich habe den anderen von meiner Woche erzählt. Von den Freuden der Konfirmation. Und vom Schmerz bei der Beerdigung unserer Kindergartenleiterin. Sie fehlt sehr. Auf ihrer Beerdigung hatte ich ein Lied gesungen über die Kraft, die manchmal fehlt. Und darüber, dass jemand anders für uns stark sein kann, wenn wir es nicht sind. Das Lied hat mich im ganzen letzten Jahr begleitet. In den letzten Tagen noch einmal besonders.

Gestern habe ich es dann noch einmal geteilt (so ähnlich wie im Video hätte es klingen können, wenn du Gitarre gespielt hättest, Bobby).

Nawras, der seit fast zwei Jahren in Nordhorn lebt, hat uns ein Preview seines sehr beeindruckenden Films „Nordhorn – City of Love“ gezeigt. Er hat ihn gedreht aus Dankbarkeit für das, was er hier in der Stadt an Gastfreundschaft erlebt hat. Ich freue mich schon sehr darauf, ihn auch bald mit euch teilen zu können, aber er ist noch nicht ganz fertig. Wir haben darüber gesprochen, wie es nicht nur Teufelskreisläufe in der Welt geben kann, sondern auch Segenskreisläufe in Gang gesetzt werden können. Wir haben beeindruckende eigene Texte von Regen und Sonne, von Schmerzen und neuem Vertrauen ins Leben gehört. Bobby und Sanna haben uns mit hinein genommen in die Geschichte des Lebens und Sterbens vom Musiker und Komponisten Louis Ignatius Gall, den die beiden bis zum letzten Atemzug begleitet haben und dessen Geschichte ihr euch hier anschauen könnt. Er hatte vor seinem Tod noch ein fröhliches Stück für den Sohn von Bobby und Sanna komponiert (der unsere Runde gestern komplettierte), das wir nach jüdischer Trauermusik hören durften.

Jede und jeder kam irgendwie mit der eigenen Geschichte vor. Selbstverständlich haben wir auch noch bis kurz vor Mitternacht die großen weltpolitischen und religiösen Themen beackert (und weitesgehend geklärt). Aber was mich auch am Morgen danach noch begleitet, ist, dass es gelingen kann, dass ganz unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Ländern (in dem Fall Schottland, Syrien, Niederlande, Deutschland und sogar Ostfriesland!) mit unterschiedlichen Hintergründen (jüdisch, christlich, agnostisch und kommunistisch) sich wirklich von Mensch zu Mensch begegnen, wenn sie eigenen Schmerz und eigenes Glück behutsam miteinander teilen.

Manche mögen behaupten, es wäre der Wein gewesen. Den gab es auch. Aber nicht so viel, als dass es als hinreichende Begründung gelten könnte. Für mich war es Pfingsten.

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Das Kreuz mit dem Kreuz

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Der Gerichtspräsident des Amtsgerichts Saarbrücken hat Kreuze aus seinen Sitzungssälen entfernen lassen. Und sofort flammt die Debatte um das Kreuz im öffentlichen Raum wieder auf, die ja in den 90er Jahren besonders im Hinblick auf Klassenzimmer geführt wurden. Die einen argumentieren mit der weltanschaulichen Neutralität des Staates, die anderen fürchten um den Untergang des christlichen Abendlandes und ziehen ihrerseits mit dem Kreuz im Gepäck in einen Kulturkampf. Und dabei kommt es zu einem für mich fast kuriosen Streit um die Deutungshoheit dieses Symbols.

Denn das Kreuz ist ja zunächst ein Symbol. Und Symbole sind bedeutungsoffen – oder zumindest bedeutungsreich. In jedem Fall ein religiöses Symbol wie das Kreuz. Denn im Unterschied z.B. zu einem Verkehrszeichen liegt die Deutung von einem Symbol wie dem Kreuz ja eben auch im Auge des Betrachters. Wäre ein Verkehrszeichen bedeutungsoffen, hätte es vermutlich ganz katastrophale Folgen. Beim Kreuz ist der Spielraum dessen, was man unter diesem Symbol verstehen kann, deutlich größer. Inwiefern auch in aktuellen Stellungnahmen von Christen-Menschen dem Kreuz ganz Unterschiedliches zugeschrieben wird, dazu unten mehr. Gerade im Hinblick auf religiöse Symbole lässt sich nachvollziehen, dass diese sich auch nicht rein rational interpretieren lassen, sondern immer auch einen Bedeutungsüberschuss in sich tragen, der sowohl kulturell gefärbt ist als auch für den einzelnen Betrachter oft emotional belegt ist. Vielleicht erklärt dies auch die Intensität der Debatte an manchen Stellen.