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Con:Fusion 2014

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Die vergangenen Tage habe ich in einer Gemeinschaft von etwa 40 Menschen südlich von Kassel am Mosenberg verbracht. Organisiert wurde dieses Treffen vom Netzwerk Emergent Deutschland, dem ich mich seit einigen Jahren verbunden fühle. Aus meiner Sicht war es ein sehr gelungenes Format. Ich stelle allerdings auch fest, dass es gar nicht so einfach ist, anderen in wenigen Worten zu beschreiben, worum es ging. Die gängigen Begriffe für Veranstaltungen außerhalb der Arbeitszeit wie „Tagung“, „Seminar“, „Urlaub“, „Fortbildung“ oder „Konferenz“ treffen es alle irgendwie nicht richtig.

Vielleicht haben wir so etwas wie eine „Kurzzeit-Kommunität“ gelebt. Mit einem gemeinsamen geistlichen Rhythmus – Walter und Peter hatten die Stundengebete aus Iona mitgebracht und ins Deutsche übertragen. Mit gemeinsamer Essensvorbereitung, gutem Essen und Trinken. Mit einem gemeinsamen Leben auf engem Raum und wenig Privatsphäre (4-Bett-Zimmer, 2 Bäder auf dem Flur). Mit kleineren Konflikten. Mit Menschen, die einem schon auf den ersten Blick sympathisch sind und solchen, für die sich ein zweiter Blick lohnt. Eine beengte Unterkunft also. Ein ungünstiger Termin. Noch nicht einmal als Fortbildung für mich zu verbuchen. Und trotzdem sehr gelungen.

Eine Atmosphäre der Wertschätzung

Zunächst schätze ich sehr die Atmosphäre der Wertschätzung und Offenheit, die dieses Netzwerk kennzeichnet. Ganz verschiedene Menschen aus sehr verschiedenen Hintergründen kommen zusammen. Was sie gemeinsam haben, ist nicht ihre Konfession. Auch nicht ihre Tradition, ihre Gebetssprache, ihr Beruf, ihre politische Überzeugung oder ihre Gesellschaftstheorie. Die Bandbreite reichte in diesem Tagen vom Headhunter bis zum Pastor, vom Antifa-Mitglied bis zum CDU-Wähler, vom Jesus-Freak bis zum Ordensmitglied. Was ihnen gemeinsam ist, ist ihre Offenheit für die jeweils andere Sicht auf die Welt, auf Gott und den Glauben:

Das, was bei mir noch ganz unfertig ist, kann ich zur Verfügung stellen, weil jemand anders etwas ergänzen wird, das meinem Gedanken mehr Tiefe verleiht, ihn in einen größeren Zusammenhang stellt oder auf andere Weise schön macht.

Das, was mir selbst wichtig ist, das kann ich bedenkenlos sagen, weil die anderen etwas aus meiner Geschichte lernen möchten. Das, was ich an Fragen und Zweifeln hab, kann ich äußern, weil ich weiß, dass uns eher die gemeinsamen Fragen und Zweifel verbinden als Antworten (wenn wir denn welche haben). Das, was bei mir an Ideen und Gedanken noch ganz unfertig ist, kann ich zur Verfügung stellen, weil ich ausreden darf und jemand anders etwas ergänzen wird, das meinem Gedanken mehr Tiefe verleiht, ihn in einen größeren Zusammenhang stellt oder auf andere Weise schön macht. Das, was mich selbst bewegt oder verletzt, kann ich anderen anvertrauen, weil ich weiß, dass sie sensibel damit umgehen werden. Wer einmal eine Pfarrkonferenz (Treffen aller PastorInnen eines Kirchenkreises) erlebt hat, mag nachvollziehen können, wie sehr man anschließend nach solchen Orten der Wertschätzung und Offenheit hungert und dürstet.

Vom Abstrakten zum Sinnlichen

Thematisch haben wir uns in unterschiedlichen Gruppen mit Fragen nach der fluiden Moderne, der Verbürgerlichung und Entbürgerlichung unserer Gesellschaft und zum „Feind als Geschenk“ aus der Theologie der Gewaltfreiheit von Walter Wink (in dieser dritten Gruppe war ich dabei) beschäftigt. Da ging es zum Teil um große Fragen. Da wurde auch wirklich in die Tiefe gedacht und manches war so komplex, dass ich nicht alles verstanden habe. Das war aber nicht schlimm. Denn schon das, was ich verstanden habe, bereichert mich.

Dann ging es aber auch wieder ganz kreativ zu. Wir haben Texte verfasst, Lieder gedichtet, Liturgien entworfen, Videos gemixt oder Schaubilder für die jeweils anderen erstellt. Das ist schön, wenn aus dem Abstrakten nicht nur etwas Konkretes, sondern auch etwas Sinnliches wird. Dabei war sicherlich sehr hilfreich, dass wir Zeit hatten. Die Beobachtung von Peter, dass der dritte Tag nicht nur unserem gegenseitigen Aufeinander-Hören, sondern auch der Kreativität Raum gegeben hat, ist sicher zutreffend. Toll auch die Idee des literarisch-musikalischen Abends, an dem ohne viel Vorbereitung ganz tolle Texte zu Gehör gebracht wurden. Das könnte man eigentlich viel häufiger machen.

 

So viel vielleicht fürs Erste als ein kleiner Rückblick. Es ist schwierig bis unmöglich, ein Treffen, das im Wesentlichen aus vielen persönlichen Gesprächen bestand, irgendwie angemessen für andere zu beschreiben, die nicht dabei sein konnten. Vielleicht schreibe ich die Tage nochmal, was mich inhaltlich bewegt hat. Hier seien fürs Erste die Gedanken von Peter Aschoff über Walter Wink empfohlen. Und Daniel Hufeisen sammelt ganz fleißig alle Beiträge über Con:Fusion 2014 hier an dieser Stelle.

3 Kommentare An der Unterhaltung teilnehmen

  1. Hallo Simon!
    Da wird es für mich schwer, noch etwas Neues zu sagen – so ein gelungener Beitrag! Ich möchte auch noch einen Rückblick schreiben. Es ist schön zu lesen, dass wir ähnliche Erfahrungen machen konnten. Danke für deine Beschreibung (vielleicht werde ich mir 1-2 Sätze ausborgen ;-)). Liebe Grüße!

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  2. Pingback: Kinder brauchen Grenzen? | Simon de Vries

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