Alle Artikel veröffentlicht in ‘Kirche

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Ich schlaf an deiner Krippen hier

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Einmal im Jahr übernachte ich mit unseren Konfirmanden in unserer Kirche. Ja, richtig: Nicht im Gemeindehaus, sondern tatsächlich in der Kirche. Die Jungs schlafen im Altarraum unten neben der aufgebauten Krippe unterm Weihnachtsraum, die Mädels oben auf der Empore neben der Orgel. Warum ich das mache, werde ich regelmäßig gefragt.

Ich kann es nicht quantitativ oder qualitativ belegen, aber mein Eindruck ist Folgender: Das Verhältnis der Jugendlichen zu unserem Kirchraum ist nach der Übernachtung ein anderer als vor der Übernachtung. Ich tue mich anschließend als Konfirmand leichter damit, den Altarraum beim Abendmahl zu betreten, wenn ich genau dort vor dem Altar schon einmal mit meiner Luftmatratze gelegen habe. Ich bewege mich selbstverständlicher zum Lesepult, wenn ich genau an der Stelle im Schein der aufgebauten Krippe schon einmal eingeschlafen und wieder aufgewacht bin.

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Con:Fusion 2014

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Die vergangenen Tage habe ich in einer Gemeinschaft von etwa 40 Menschen südlich von Kassel am Mosenberg verbracht. Organisiert wurde dieses Treffen vom Netzwerk Emergent Deutschland, dem ich mich seit einigen Jahren verbunden fühle. Aus meiner Sicht war es ein sehr gelungenes Format. Ich stelle allerdings auch fest, dass es gar nicht so einfach ist, anderen in wenigen Worten zu beschreiben, worum es ging. Die gängigen Begriffe für Veranstaltungen außerhalb der Arbeitszeit wie „Tagung“, „Seminar“, „Urlaub“, „Fortbildung“ oder „Konferenz“ treffen es alle irgendwie nicht richtig.

Vielleicht haben wir so etwas wie eine „Kurzzeit-Kommunität“ gelebt. Mit einem gemeinsamen geistlichen Rhythmus – Walter und Peter hatten die Stundengebete aus Iona mitgebracht und ins Deutsche übertragen. Mit gemeinsamer Essensvorbereitung, gutem Essen und Trinken. Mit einem gemeinsamen Leben auf engem Raum und wenig Privatsphäre (4-Bett-Zimmer, 2 Bäder auf dem Flur). Mit kleineren Konflikten. Mit Menschen, die einem schon auf den ersten Blick sympathisch sind und solchen, für die sich ein zweiter Blick lohnt. Eine beengte Unterkunft also. Ein ungünstiger Termin. Noch nicht einmal als Fortbildung für mich zu verbuchen. Und trotzdem sehr gelungen.

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Ein ganz normales Wochenende

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„Eigentlich ein ganz normales Wochenende.“ dachte ich gestern, als Annette und ich traditionell nach dem Zu-Bett-Bringen der Kinder und noch vor dem Tatort kurz die zurückliegenden Tage reflektierten und die kommende Woche in den Blick nahmen. Ein ganz normales Wochenende. Mit verschiedenen Aktivitäten inklusive zwei Gottesdiensten. „Bist du kaputt?“ „Ja, schon müde. Aber nicht ausgelaugt“, dachte ich.

Und dann wurde mir bewusst, dass das Wochenende alles andere als normal war. Und das sich die Dinge verändern. In unserer Gemeinde. In meiner Rolle als Pastor. In meinem Leben. Zwei Dinge wurden mir bewusst, für die ich dankbar bin.

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Leisetreter

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Ein Leisetreter bin ich. So lese ich in Kommentarspalten und Feuilletonbeiträgen. Einer von denen, die der bürgerlichen Meinung hinterherlaufen. Vertreter einer Institution, die schon lange für nichts mehr steht. Ein Manager bestenfalls, aber kein Heiliger. Nicht, dass ich mit meinen katholischen Amtsbrüdern tauschen wollte. Während Ihnen ihre ewige Gestrigkeit angekreidet wird, bin ich mit dem Vorwurf der Beliebigkeit konfrontiert.

Das bin ich, weil ich evangelischer Pastor bin. Wahrscheinlich sehe ich nicht unbedingt wie einer aus. Zunächst einmal bin ich viel zu jung. Die meisten haben die Vorstellung, ein Pastor müsse mindestens fünfzig sein und Vollbart tragen. Ein Anspruch, der übrigens auch für meine Kolleginnen im Amt nicht ganz einfach zu erfüllen ist. Wenn ich bei einer Party auf die Frage antworte, was ich beruflich mache, fällt meinen Gesprächspartnern regelmäßig die Kinnlade runter. Die meisten denken, ich mache Scherze. Andere gucken mitleidig.