Artikelformat

Kein „Schwaches Signal“

21 Kommentare

Hanna Jacobs hat in der letzten Woche einen viel beachteten Artikel in „Christ&Welt“ über die digitalen Angebote der evangelischen Kirche in Corona-Zeiten unter dem Titel „Schwaches Signal“ geschrieben. Im Wesentlichen sind darin die PfarrerInnen Thema. Ein solcher bin ich ja – insofern habe ich mich angesprochen gefühlt. Ein paar Tage habe ich nun überlegt, wie ich darauf reagiere.

Vorrede

Zum einen kennen wir beide uns seit einigen Jahren. Wir teilen sogar die Erfahrung, vom gleichen Mentor im Vikariat ausgebildet worden zu sein. Ich schätze Hanna sehr und halte sie für eine Autorin, die ausgesprochen pointiert Dinge benennen kann und bei der ein unterhaltsamer Schreibstil auf theologisch Durchdachtes trifft. Das gibt es überhaupt gar nicht oft und insofern ist sie eine große Bereicherung für die ganze kirchliche Szene und darüber hinaus. Ich bewundere ihre Fähigkeit, immer wieder in großer Regelmäßigkeit interessante Texte in ihrer Kolumne zu schreiben. Dabei bin ich auch völlig einverstanden damit, Dinge hier und da ein wenig zu überzeichnen – mehr als einmal hat sie so Debatten ausgelöst, die wichtig sind. Und wem gelingt das schon? Ich finde das großartig und lerne von ihr. Vor kurzem hatten wir im Raumschiff Ruhr eine ganz wunderbare, warmherzige Begegnung. Und ich erlebe sie zudem als Person, die Widerspruch, wenn er sachlich begründet ist, konstruktiv aufnimmt – auch das kann nicht jede/r. An einem solchen versuche ich mich nun.

Gestern und heute standen wir in einem wertschätzenden Austausch zu zweit – so etwas würde ich mir viel öfter wünschen, bevor man übereinander schreibt. Sie hat mich ermutigt, diese Gedanken zu veröffentlichen, die ich ihr zuvor zu lesen gegeben habe. Die folgenden von mir in Frage gestellten Punkte tauchen im Übrigen auch nicht nur bei in Hannas Artikel auf, sondern auch in Beiträgen anderer KritikerInnen an anderen Stellen.

Der Vorwurf der massenweise Produktion von Content

Nur wenige Tage, nachdem die ersten PfarrerInnen streamten, beschwerten sich andere, dass ZU VIELE PfarrerInnen streamten und ZU VIEL content produzierten. Kein Mensch könne alle diese Sachen anschauen! Dieser Vorwurf (an wen genau?), der zunächst eine Stimmung vieler traf, ist meiner Ansicht nach auf den zweiten Blick unsinnig: Es wird von den Pfarrerinnen und Pfarrern landauf landab nämlich gar nicht mehr content produziert als vor Corona. Etwas anderes hat sich stattdessen geändert: Der content ist jetzt nur für alle sichtbar.

Ein ganz normaler Tag vor Corona bei mir: Ich gehe vormittags mit meiner Handpuppe in die KiTa, bin Nachmittags im Pflegeheim zu einer Andacht und bereite abends mit Teamern das Thema Gebet für eine Konfi-Einheit vor. Niemand hat sich dadurch je behelligt gefühlt, dass ich das so tue. Wenn ich aber jetzt für unsere KiTa-Kinder (und alle, die noch Spaß daran haben) eine kleine Sendung mit der Handpuppe aufnehme; dann eine Andacht so erstelle, dass sie auch auf internetfähigen Fernsehern im Pflegeheim zu sehen ist (weil ich da nämlich gerade sonst nicht rein komme) und auf instagram #fragdenPastor mit Jugendlichen spiele, produziere ich nicht mehr content als vorher, sondern eher weniger, weil (obwohl ich vergleichsweise geübt bin mit Schnitt-Programmen) es nämlich jetzt länger dauert. Alle Inhalte sind allerdings jetzt auch für alle sichtbar. Ich musste mir u.a. von einer Pastoren-Kollegin in einer facebook-Gruppe anhören, ich solle mich und die ganze Kirche mit meinen albernen Handpuppen-Stücken nicht komplett lächerlich machen.

Hanna beklagt die fehlende Anpassung von PfarrerInnen an die Sehgewohnheiten der Internetgemeinde. Recht hat sie. Aber demjenigen, der über zu viel Content klagt, sei dann auch gesagt: Du musst dir ja gar nicht alles anschauen! Das Internet komplett durchzulesen oder durchzuschauen, wird eh nicht funktionieren. Und wenn du keine Handpuppen magst, dann probier doch mal Gunnar Engel oder „Anders Amen“.

Der Vorwurf des durchschnittlichen Content

Der Klage über zu viel content folgt dann regelmäßig der Hinweis, dass dieser darüber hinaus auch noch mehrheitlich durchschnittlich sei! Tja – das ist zwar richtig, aber vermutlich kein besonderes Merkmal des Digitalen, sondern gilt analog ganz genauso. Bei niemandem von uns ist jede öffentliche Äußerung einmaliges Glanzstück (Billie Eilish, Roger Willemsen und Juli Zeh jetzt mal ausgenommen) und ganz bestimmt wurden vor Corona genauso viele durchschnittliche Andachten produziert wie jetzt auch.

Woran bemisst sich aber eigentlich die Qualität eines Dialoggeschehens wie einer Andacht? Zumindest zum Teil doch durch die Beziehungsdimension zwischen den beteiligten Personen. Hanna brandmarkt den Wunsch, auch in Corona-Zeiten die eigene Pfarrerin sehen zu wollen oder umgekehrt, sich als solche anzubieten, als Kirchturmdenken. Ich meine dagegen: Die Nähe, die sie am Ende ihres Artikels einfordert, wird doch gerade an den Stellen sichtbar, wenn ich die Menschen, die ich von vor Ort kenne, auch auf dem kleinen oder großen Bildschirm wiedersehe. Ich habe vom Pflegeheim bei uns um die Ecke gehört, dass Tränen geflossen sind, als dort nach Wochen unsere erste Andacht über den Bildschirm lief. Für die zum Teil dementen BewohnerInnen dort, bei denen unsere Gedanken und Herzen in diesen Wochen besonders häufig sind, wird übrigens die Klangqualität der Mikrofone ziemlich unerheblich gewesen sein. Und diese Erfahrung beschränkt sich auch nicht auf hauptamtlich verantwortete Inhalte: Ein komplett ehrenamtlich gestalteter Gottesdienst für Familien hat ebenfalls viele emotionale Reaktionen ausgelöst.

Mein Eindruck: Natürlich – Professionalität ist immer besser als Unprofessionalität. Schlechte Technik hat noch nie irgendwo geholfen. Aber auch das gilt selbstverständlich analog genauso wie digital. Eine schlechte Mikrofonanlage in der Kirche ist genauso wenig hilfreich fürs Reich Gottes wie bescheidene Audio-Settings beim Streamen. Aber entscheidend ist doch am Ende, in welcher Haltung du deine Sache machst. Wenn dir diejenigen, für die du etwas tust, so richtig am Herz liegen und du deine Sache liebevoll machst, dann kommt das auch rüber. Selbst, wenn du mit deinem Smartphone filmst.

Der Vergleich mit erfolgreichen YouTubern

Pastor Gunnar Engel wird sodann als erfolgreiches Beispiel angeführt gegenüber dem Pfarrer, der sich vergleichsweise hilf- und planlos erstmalig vor eine Kamera stellt. Wieder einmal bin ich zunächst völlig d’accord: Gunnar Engel (hat der liebe Gott ihm eigentlich diesen fantastischen Nachnamen geschenkt oder hat er klug geheiratet?) macht seine Sache ziemlich gut und ist tatsächlich auch so hip, wie ich gerne wäre, aber vermutlich nie sein werde – also in jedem Fall klamotten- und frisurtechnisch, für meinen Geschmack weniger theologisch.

Aber was ist denn das bitte für ein unbarmherziger Vergleich? Zum einen höre ich ja auch nicht deshalb auf zu predigen oder Seelsorge zu betreiben, weil ich leider nicht die Wortgewandtheit einer Christina Brudereck oder die Einfühlsamkeit eines Jürgen Domian habe. Und zum anderen gilt es doch gerade jetzt, diejenigen, die bisher die social media unsicher bis distanziert betrachtet haben und jetzt erstmalig die Aufnahmetaste drücken, zu unterstützen und nicht die ersten Gehversuche hämisch mit dem Hinweis auf lächerliche Klickzahlen zu kommentieren. Im Übrigen sind Besucherzahlen im niedrigen zweistelligen Bereich ja auch nicht selten unsere analoge Realität (und der Vergleich der Zahlen ist sowieso schwieriger als er manchen zunächst scheint, weil Absprungraten, Verweildauer u.a. noch eine gründlichere Analyse braucht als wir sie bisher m.W. in den meisten Bereichen vorliegen haben).

Gemeindebrief und Schaukasten als Negativfolie

Was nicht fehlen darf in einem Artikel über digitale Kirche ist der Verweis auf Gemeindebrief und Schaukasten als Symbole für eine Kirche, die den Aufbruch in die Moderne verschlafen hat. Nichts aber könnte unpassender sein als gerade diese beiden. Ich selbst bin größter Fan digitaler Möglichkeiten. UND ich bin Fan von Print. UND eines gut gemachten Schaukastens. Diese Dichotomie wird trotz gebetsmühlenartiger Wiederholung in beinahe jedem Artikel über digitale Kirche nicht richtiger. Denn gerade die crossmediale Vernetzung bringt den Schritt nach vorne, nicht das Gegeneinander-Ausspielen von digitalen und in Kirche auch weiterhin erfolgreichen analogen Kommunikationsmöglichkeiten. Wieder gilt: Ein liebevoll gemachtes Print-Produkt ist besser als ein schludriges. Genauso ist es im digitalen Bereich. Digital ist nicht per se besser, nur anders.

Filterblase?

Schließlich der Vorwurf, die PfarrerInnen und hoch Engagierten würden sich gegenseitig gerade eine Filterblase schaffen, in der sie einander beobachten und sich dabei für die übrige Welt überflüssig machen, während RKI-Präsident Lothar Wieler als eigentlicher Hoffnungsträger und potentieller Trost-Spender in unsicheren Zeiten agiert. Nichts könnte weiter entfernt von meiner eigenen Erfahrung sein: Während nämlich der Kontakt zur Kerngemeinde vorrangig per Telefon, Brief und whatsApp ganz gut funktioniert, docken über die social media auf einmal viele Menschen an, zu denen wir vor Corona wenig bis gar keinen Kontakt hatten: Menschen, die den Wert von Kirche und ihrer Botschaft für die Gesellschaft und für sich selbst auf einmal wiederentdecken; Hilfsbedürftige, die jetzt ganz konkret berührende Erfahrungen mit anderen Christen machen; innerlich Verletzte, denen die Distanz und die stärkere Sichtbarkeit von Seelsorgern im Netz geradezu ermöglicht, Dinge auszusprechen, die vorher nicht sagbar waren. Die Gruppe derer, die nicht nur mit und über Kirche, sondern jetzt innerhalb von Kirche kommuniziert, ist gewachsen und hat sich in ihrer Zusammensetzung völlig verändert – eine wunderbare Entwicklung und das genaue Gegenteil der Filterblase, die wir analog mit unseren Kerngemeinden häufig haben. 

Nähe und Verbundenheit

Am Ende Hannas Wunsch, eine Kirche zum Anfassen auch digital abbilden zu können. Das ist auch meiner. Kurioserweise ist er hier verbunden mit der Person Margot Käßmann, die wie keine andere dem Digitalen eben solche Möglichkeiten abspricht und bei der Ressentiments über das böse Internet so sicher sind wie das Amen in der Institution, die sich bei ihr nur eigentlich nur analog ereignen kann.

Was leider für mich am Ende bleibt, ist eine KollegInnen-Schelte (denn adressiert sind hier ja eindeutig nicht Kirchenleitung oder kirchliche Medienhäuser für eine verfehlte Digital-Strategie, sondern Gemeinde-PastorInnen für deren Unzulänglichkeiten), die zum einen meine eigenen Erfahrungen und die vieler Kolleginnen in diesen Wochen unzureichend trifft und darüber hinaus mit denen, die erste Schritte wagen, wenig barmherzig ist.

Berührt hat mich zum gleichen Thema ein Text von Tabea Kraaz, der dem von Hanna vorausging: Sie bringt den Predigttext des Sonntag vor Ostern, die Salbung Jesu in Bethanien, in die Debatte um gute und schlechte Streaming-Angebote ein:

„Ich möchte auf das Herz dieser Frau sehen, auf ihre Liebe – nicht auf die Verschwendung, die peinliche Aktion, die sie da bringt, nicht darauf, dass es irgendwie unangebracht ist, was sie macht. Gemeinschaft und Kollegialität ist im Moment so wichtig, ist es immer, aber jetzt vielleicht umso mehr. Lasst uns wertschätzend umgehen mit alledem, was andere in der Krise tun. Wie sie selbst das bewältigen. Was sie zu schenken haben. […] Meine Bitte: Schaut auf die Gemeinschaft, nicht auf die verwackelten Handybilder. Schaut auf die Liebe, nicht auf das vergossene Öl.“

Ich selbst merke, wie schwer das ist – auch in diesem Text. Jetzt nicht selbst wieder in der Lust am Pointieren genauso und nur von der umgekehrten Seite zu meckern und sich so in innerkirchlichen Debatten zu verfangen. Auch deshalb hatte ich gezögert zu schreiben. Und wegen der Wertschätzung gegenüber Hanna, die bleibt. Aber weil das, was gerade in unserer Kirche passiert, meinem Empfinden nach wichtig ist, ist mir auch die Einordnung dessen nicht egal.

21 Kommentare An der Unterhaltung teilnehmen

  1. Nachdem ich den Text von Hanna Jacobs äußerst positiv und auch als konstruktiv für eine weitere Diskussion empfunden habe, gerade hinsichtlich einer „echten“ Veränderung, merke ich durch diesen Beitrag, dass man es auch deutlich kritischer wahrnehmen kann. Das gibt mir zu denken. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Frau Jacobs KollegInnen-Schelte betreiben wollte. Wichtigste Stichwort für mich selbst ist hier Barmherzigkeit. Danke dafür, Simon.

    Antworten

    • Lieber Kollege,
      ich danke Ihnen ebenfalls für Ihre Einordnung.
      Es befremdet mich allerdings, dass man(n) nachfragt, bevor man(n) seine Meinung äußert. Oder wie soll ich Ihre Vorrede zum eigentlichen Artikel verstehen?
      Es kommt doch auf eine gepflegte Debattenkultur an, also auf Argumente und Stil.
      Freundliche Grüße
      Andrea Wauer-Höflich, Landpastorin

      Antworten

      • Liebe Andrea Wauer-Höflich,

        danke für Ihr Feedback. Hanna und ich kennen uns einfach so gut, dass mir wichtig war, dass wir beide auch miteinander im Kontakt sind und ich nicht nur über sie schreibe. Und wie sie versuche ich ja auch zu pointieren. Letztlich ist es auch mein Versuch, dass biblische „sprech deine Schwester/Bruder direkt an“ auf unseren digitalen Diskurs zu übertragen, auch wenn es hier ja nicht um irgendwelche Verfehlungen geht, sondern nur um unterschiedliche Sichtweisen von Hanna und mir.

  2. Moin Simon,
    Danke für die Antwort auf Hanna. Ich habe Hanna eben auch geschrieben und schwanke etwas zwischen euren Texten. Ich gehöre als Pastor in Harpstedt (der Timo) sicher zu den anderen Gunnars dieser Erde. Und ich darf stolz behaupten, am 15.3. den einizigen Livestream unserer Landeskirche (Hannover) zusammen mit unseren Teamern gewuppt zu haben. YouTube „Kirche Harpstedt“.
    Allerdings frage ich mich, warum ich ständig an diversen Fronten weiterkämpfen muss, um überhaupt streamen zu dürfen. Ich bin sehr glücklich über all die Technik, die wir schon lange haben. Unterstützung bekomme ich jetzt gerade allerdings kaum. „Schön, was Du machst.“ Aber jetzt einfach mal ein wenig investieren geht nicht. Ohne Einsatz von Unmengen an privaten Investitionen und Technik wäre das alles nicht zu machen. Und das ist für mich ein „Sehr schwaches Signal“ in dieser Zeit, leider. Einen schicken Schaukasten haben wir übrigens auch – Dank liebevollem Einsatz der Frau meines Kollegen und Photoshop, was ja leider auch nicht zur Grundausbildung eines Pastors gehört. Noch so ein „schwaches Signal“.
    Gruß aus Harpstedt, Timo Rucks

    Antworten

    • Moin Timo, was Du schreibst, kann ich gut nachvollziehen. In meinem Umfeld hat sich in den letzten 10 Jahren insofern was getan, all dass ich vor 12 Jahren von meinem Landeskirchenamt noch gewarnt wurde, meinen Blog als Vikar weiterzubetreiben. Vor 6-8 Jahren hab ich bei Vorträgen in verschiedensten Kirchenkreisen meistens nur einige, wenige interessierte Kollegen vorgefunden – die meisten wussten dagegen zu berichten, dass bei Facebook-Parties tausende Leute auftauchen können oder haben mich in Datenschutzfragen an die Wand geredet (in dem Thema bin ich nicht so fit). Da hab ich aufgehört, das zu machen. In den letzten Jahren ist das Wohlwollen gestiegen und manche Kollegen bedauern eher, dass es ihnen einfach nicht so leicht fällt. Damit kann ich aber gut umgehen. Nach #corona wird sich vermutlich die Rechtfertigungsdebatte erledigt haben. Und ich hoffe, dass Du dann auch mehr Geld für Equipment bekommst – damit und mit allem anderen hast Du nämlich völlig Recht!

      Antworten

  3. Lieber Simon,

    Ganz herzlichen Dank für diesen Artikel. Er ist ausgewogen und ruhig geschrieben und beleuchtet viele wichtige Aspekte. Besonders freut es mich, dass er im Geist der Wertschätzung und er Liebe geschrieben wurde. Davon können wir in der Kirche wahrlich nicht genug haben.
    Über das Zitat freue ich mich natürlich auch. Würde mich freuen in Zukunft öfter etwas von dir zu lesen.

    Herzliche Grüße,
    Tabea

    Antworten

  4. Lieber Simon,
    Auch ich danke sehr für diesen Artikel. Ich kann dir zu 100% zustimmen und freue mich über die vielen Kolleg*inn*en, die jetzt ihren Gemeindemitgliedern digital und in Print und per Telefon etc. nahe sind.
    Ich plädiere ja schon lange für eine hybride Kirche, digital und analog,, die in diesen Wochen Wirklichkeit wird. Und ich freue mich über jeden Neustart ins Produzieren im Digitalen.
    Viele Dank für deine Worte!

    Antworten

  5. Lieber Simon,
    sehr schön! Danke! Konstruktiv und wertschätzend, so ist’s richtig mit Rückmeldungen. Und als jemand, der auch regelmäßig Gottesdienste live streamt, stimme ich dir inhaltlich voll zu. Will noch ergänzen, dass Klickzahlen nicht unbedingt ein und schon gar nicht das alleinige Qualitätsmerkmal digitaler Angebote sind. Sonst müsste ich weinen.

    Antworten

  6. Als landeskirchliche Pfarrerin Jg. 1958 bin ich selbst nicht so fit mit den neuen Medien, beobachte aber – und bewundere z.T. auch – die Brüder und Schwestern, die sich damit auseinandersetzen und die digitale „Kommunikation des Evangeliums“ vorantreiben. Dass die einen da schon fitter sind als die anderen und dass ein Livestream für die eigenen Gemeindeglieder nicht dieselben Qualitätsansprüche erfüllen kann und muss wie ein Fernsehgottesdienst, versteht sich von selbst. Dank an Hanna und Simon für Düse Debatte, die mir zwei Dinge deutlich macht: 1. Sich im digitalen Raum als Kirche zu präsentieren, ist etwas anderes als die bisherige analoge Gemeindearbeit. Es erfordert auch eine Weiterentwicklung des Pfarrbildes (Hanna). 2. Kirchenleitungen tun gut daran, digitales Lernen und Nutzung von Medien finanziell, personell und strukturell zu fördern. (Simon).
    Dank an alle, die jetzt in der Krise mutig bis kalte Wasser springen und sich in aller Unzulänglichkeit an neue Medien heranwagen! Es wird in Zukunft nicht mehr ohne gehen (Hybrid), und dann steht es uns gut zu Gesicht, auch professioneller zu wirken.

    Antworten

  7. Lieber Simon
    sonst bin ich solchen Chats nicht unterwegs. Man kann ja nicht überall lesen und kommentieren.
    Doch hier will ich es mal tun, denn ich gehöre zu denen, die sich herzlich bei dir bedanken, dass du und vor allem wie du auf den Artikel von Hanna Jacobs reagiert hast!
    Ich hatte die Kolumne mit einer Mischung von Schmunzeln und Ärgerfalten gelesen – nicht weil ich mich angegriffen oder kritisiert gefühlt habe. Dazu bin ich viel zu unbescheiden im Blick auf das, was ich als YouTube-Neuling – zuerst einmal für die Menschen meiner Gemeinde, die Leute in Lüneburg und interessierte Freunde und Verwandte – ins Netz gestellt habe. Die Rückmeldungen und munteren Weiterverbreitungen waren erfreulich.
    Ich lese die Kolumnen von Hanna Jacobs seit sie in der ZEIT erscheinen, mal mit Gewinn, mal mal mit „“na,ja“ (wie das wohl auch bei allem Analogen und Digitalen so ist. Auffällig und verstärkt seitdem sie nun Pastorin in Essen ist, war für mich die zunehmenden Zwischentöne einer leichten Überheblichkeit über die, die ihre Arbeit in der „Niederungen‘ der normalen Gemeindewirklichkeit so gut wie möglich zu tun versuchen. Und diese Haltung ist nun bei dieser Kolumne voll durchgeschlagen und ich finde, sie ist bei aller teilweisen Berechtigung übers Ziel hinausgeschossen. Es hatte den Eindruck leichten Spottes über Kolleg*innen.
    Da ist es gut, wenn jemand wie du, der sie kennt und schätzt, ihr ein paar Dinge ans Herz legt, pointiert und treffend. Danke
    Wenn das jemand wie ich gemacht hätte, wäre u.U. der Verdacht aufgekommen, da mokiert sich einer von der „alten Garde“.
    Hanna Jacobs kann sich durchaus ja auch freuen – darüber, dass sie etwas geschrieben hat, was Reaktionen hervorruft. Hatte sie ja schon mal im letzten Jahr. Spricht für sie – und noch mehr, wenn sie die kritischen Rückmeldungen wirklich rezipiert.
    Ja, die Kommunikation des Evangeliums geschieht nicht entweder analog oder digital, sondern mit viel Engagement und Phantasie vor allem personal. Und der Heilige Geist nutzt schon immer alle Wege der Kommunikation,
    Ich grüße Dich herzlich
    Eckhard Oldenburg (du erinnerst dich?), Lüneburg

    Antworten

    • Hallo Eckhard – na klar erinnere ich mich. Schön, von Dir zu hören! Dann ging es uns ja ganz ähnlich. Und schön, dass Du erste gute Erfahrungen machst. Ich finde das ganz großartig. Noch vor ungefähr 10 Jahren bin ich von vielen Kollegen wahlweise mitleidig oder amüsiert belächelt worden oder es wurde schlicht die Bedeutung des Digitalen für Kirche bestritten – ist doch toll, dass sich da in relativ kurzer Zeit (für kirchliche Verhältnisse) viel verändert hat. Ganz liebe Grüße in die schönste Stadt Niedersachsens!

      Antworten

  8. Pingback: Mehr oder weniger digital – Qal Wachomer

  9. Lieber Simon de Vries,
    mal eine PR-Sicht: Als Ev. Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg waren wir überrascht, wie schnell sich Gemeinden bei uns umgestellt haben. Von einfach nur Abfilmen als Livestream bis zum webkompatiblen Film als Gottesdienst- alles ist möglich geworden und wir waren erstaunt, welche Klickzahlen sich daraus ergaben.
    https://www.youtube.com/channel/UCl5RWyQCVWdTIqWol1qOU8Q/

    Ungerne würde ich eine Debatte führen, dass nur die rein professionelle Form erfolgreich ist – sofern das auch aus PR-Sicht verlockend sein mag. Die Erfahrungen der ersten 4 Wochen sind bei uns: Alle Formate sind unabhängig vom Grad der Professionalität erfolgreich, haben ein Online-Publikum, wecken oft größeres Interesse und mehr Besucher*innen als unsere Offline-Angebote. Wir sind ziemlich überrascht von diesem Ergebnis, online aus dem Nichts „erfolgreicher“ zu sein als im analogen Leben. Ist vielleicht ein Berliner Problem, wo größte Kirchen mit kleinsten Gemeinden minimales Interesse am Gottesdienst weckt…

    Antworten

  10. Hallo Simon, ich finde deinen Beitrag genauso ermutigend, wie mich der Artikel von Hanna Jacobs empörte (beides habe ich per link von einem Kollegen bekommen). Weil ja: auch ich gehöre nun zu denen, die mit vorhandenen Mitteln versuchen, zumindest online irgendwie „Ersatz“ zu schaffen. Eben diese Mittel sind zudem in einer kleinen brandenburger Landgemeinde wie meiner ohnehin schon begrenzt. Zugegeben schau ich fast mit Neid Berichte in der Tsgesschau von Hamburger Stadtgemeinden, die jetzt mit entsprechrendem Equipment online gehen; von livestream können wir auch nur träumen, das gibt die Verbindungsqualität zum Internet hier gar nicht her… Aber wir tun halt was wir können – und das mit Herzblut. Ja, es rauscht und knackt und wackelt. Und ja: ich weiger mich auch, die message auf 1,5 Minuten zu reduzieren, nur weils angeblichen Sehgewohnheiten entspricht. Trotz alledem übersteigen diese ominösen Klickzahlen bei weitem das, was ich erwartet hätte. Selbst zu Weihnachten habe ich in meinem atheistischen Brandenburg nicht soviel Besucher wie z.Zt. auf YouTube. Man scheint uns unsere liebenswerte Unzulänglichkeit angesichts schlichter Freundlichkeit und ehrlicher Zugewandheit zu verzeihen. Sogar von Seiten so mancher Kirchenferner, die nun über diese Gottesdienste stolpern (sich wohl aber nie in eine Kirche verlaufen hätten) und das nach eigenrm Bekunden „gar nicht so doof“ finden. Viel wichtiger als jede super Technik und hippe Professionalität scheint mir doch zu sein, dass wir uns sprachlich und auch theologisch (handfest und lebensnah, ohne Phrasen und Geschwurbel) verständlich machen – gerade auch im Blick auf die, die sonst nie zu uns kommen. Liebe Grüße aus Brandenburg, Ines Fürstenau-Ellerbrock

    Antworten

    • Liebe Frau Fürstenau-Ellerbrock,

      vielen Dank für Ihren Bericht und die Rückmeldung – das klingt sehr gut und macht Mut! Und ich finde es auch viel schöner, sich mit solchen Geschichten zu ermutigen als runterzumachen. Darauf hatte ich gehofft und es ist schön, dass das hier und an anderen Stellen passiert.

      Herzliche Grüße!

      Antworten

  11. Lieber Kollege,
    wir kennen uns flüchtig über Christa Olearius. Ich bin absolut Ihrer Meinung. Niemand muss sich das anschauen, aber wenn ich nur 1 Person damit glücklicher machen oder trösten konnte, hat es sich gelohnt. Als Mensch kann man sowieso nur unvollkommen von Gott sprechen – und doch ist dies als Ordinierte unser Auftrag. Das ganze dann noch ohne Gemeinde, aber mit unvollkommener Technikkompetenz und Sichtbarkeit für die halbe Welt zu machen, macht den Auftrag nicht leichter, sondern schwieriger. Ich bin froh, wenn das vorbei ist, aber bis dahin möchte ich in aller Unzulänglichkeit ein wenig hoffnungsvollen content beitragen. Herzlich Rajah Scheepers

    Antworten

  12. Lieber Herr de Vries,
    danke, dass Sie Ihre Stimme erhoben haben. Das sind wichtige Sichtweisen auf die aktuelle Entwicklung. Bei allem Tragischen und Trostlosen, das die Corona-Krise mit sich bringt, können und werden die Erfahrungen für unsere Kirche ein Gewinn sein – und ihr hoffentlich zum Segen werden.
    SOnderbar, dass an den digitalen Auftritten jetzt Maßstäbe angelegt werden, die wir bei der analogen Arbeit in vielen Gemeinden längst abgelegt haben. Trotz aller Bemühungen des Zentrum für Gottesdienst-Qualität mangelt es – mal an der Akustik, mal an dem schwachen Gottesdienstbesuch und mal an der geistlich-theologischen Substanz.
    Bisher haben und mussten unsere Gemeindeglieder das so hinnehmen bzw. sie haben mit den Füßen abgestimmt und bleiben weg. Durch die regionalen digitalen Angebote entdecken jetzt viele: Es gibt ja noch mehr auf Gottes-Erdboden, als wir bisher geahnt haben!!!
    Mein Nachfolger in der Kirchengemeinde Hage hat mit einer einzigen 5-min-Andacht über 19.000 Zugriffe; ein Ostergottesdienst aus der Landgemeinde Remels wird an die 600 mal geteilt. Ja, und da ist es sehr aufschlussreich, zu ermitteln: Sind die Zuschauer/Zuhörer bei der Predigt dabei geblieben oder wann haben sie sich ausgeklingt; etc.
    Ich bin sicher: Der Einsatz dieser neuen Kulturtechniken werden einen Kulturwandel in unserer Kirche zur Folge haben. Danke, dass Sie schon auf diesen Wegen unterwegs sind. Lassen Sie sich nicht entmutigen.
    Mit herzlichen Grüßen,
    Gerd Bohlen, Leer
    Superintendent i.R.

    Antworten

  13. Lieber Simon,
    wunderbarer Artikel, vielen Dank! Ich mag Hanna auch sehr (kenne sie aus gemeinsamen Göttinger Zeiten) und finde Euern Umgang und deinen (fast) durchgehend unpolemischen Stil einfach vorbildlich.
    Und ich freu mich über deine Handpuppe genauso wie über Simon Laufers Lego-Andacht und so viele Wiedersehensfreuden mit ehemaligen KommilitonInnen in dieser Zeit.
    Weiterhin viel Segen und Inspiration und herzliche Grüße vom andern Ende der Landeskirche,
    Gerhard Bergner (früher Stromberger)

    Antworten

  14. Lieber Herr de Vries,
    Vielen lieben Dank für ihren Artikel. Er hat uns gutgetan. Wir machen you Tube Gottesdienste, Impulse und musikalische Beiträge und zwar in erster Linie für die Gemeinde vor Ort, die es ausgesprochen gut annimmt, zusätzlich verteilen wir auch schriftliche Gottesdienste und Briefe in die Häuser der Hochbetagten und ins Pflegeheim. Ich bin überzeugt, dass es eben deswegen vor Ort so gut angenommen wird, weil schon eine gute analoge Beziehung bestand, aber dass zusätzlich noch Menschen erreicht werden, die gerade auf der Suche sind. Die Zahlen und die Verweildauer belegen bislang, dass die digitalen Formate wesentlich stärker angenommen werden als das Angebot vor corona. Unser Ziel ist es auch im übrigen nicht dem Medium besonders gut zu entsprechen, sondern den Bedürfnissen und Anliegen der Gemeinde. Wie Sie schon geschrieben haben, eine gründlichere Auswertung wird folgen müssen und auch gemacht werden. Und zum Thema Pfarrerzentrierung… wir arbeiten wie vorher auch in einem multiprofessionellen Team zwischen ehrenamtlichen und Hauptamtlichen. Klar habe ich da als Pfarrerin zum Teil mehr Verantwortung für den content, aber dazu bin ich ja auch ausgebildet und dafür werde ich ja auch bezahlt, im Gegensatz zu vielen anderen gerade.
    Viele Grüße
    K. Garben, Pfarrerin

    Antworten

Schreibe eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.