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Von unMonastery zu CON:FUSION – Kommunen, aber mit Internet

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Theresia Enzensberger von den Krautreportern berichtet von einem spannenden Projekt in Matera, Süditalien. Dort haben sich Künstler, Programmierer und Aktivisten zusammengefunden, um Großes zu denken und zu planen: „Eine Gruppe von Leuten verwaltet und bewohnt ein leerstehendes Gebäude und arbeitet gleichzeitig an Projekten, die dem Wohl der Gemeinde dienen sollen – mit nichts als Code, gutem Willen und ihren eigenen Fähigkeiten.“

UnMonastery heißt das Projekt. Schon der Name weist auf das Erbe hin, auf dem die Gemeinschaft aufbaut – das Kloster. Ähnlich wie in monastischen Gemeinschaften entsteht ein Raum zum Leben und Arbeiten, in dem vieles möglich ist. Dabei ist der lokale und soziale Bezug zum direkten Umfeld im Unterschied z.B. zu Hackerspaces entscheidend wichtig. Die unMonastery sei „eine Kommune, aber mit Internet“, so der interne Witz. Transparenz, Zugänglichkeit und Dokumentation sind unhinterfragbare Werte. Die Geschichte der Bewegung wird in einem „Book of Mistakes“ als WIKI laufend festgehalten – ein sehr selbstkritischer Ansatz, der die Fallstricke, die vergleichbare Lebens- und Arbeitsgemeinschaften im Laufe der Geschichte erlebt haben, ernst nimmt.

Ben Vickers berichtet über den Start von unMonastery (Video mit deutschen Untertiteln hier):

Und da werden dann so ambitionierte Dinge geplant wie bezahlbarer Wohnraum für jeden durch Bauanleitungen zum Runterladen, gemeinsam verwaltete Künstler-Häuser und andere Projekte, die auf dem Gedanken der Sharing Community aufbauen. Und das Ganze in und für die malerische Höhlen-Stadt, die noch vor kurzem als Schande für ganz Italien bezeichnet wurde und nach wie vor große Herausforderungen zu meistern hat. Dass das Miteinander von Stadtbewohnern und unMonastery auch nicht in allen Bezügen gelingt, macht der Artikel auch deutlich.

Dennoch finde ich ungeheuer faszinierend, wie hier gedacht, gelebt und gearbeitet wird. Mir selbst geht es so, dass ich weniger als früher (eigentlich gar nicht mehr) auf große Konferenzen mit Referaten von mehr oder weniger berühmten Persönlichkeiten fahre, sondern an anderen Stellen nach Inspiration suche. Und das sind für mich momentan in der Regel Netzwerke von Menschen, die in verschiedenen Kontexten, aber mit ähnlichen Fragen und Sehnsüchten unterwegs sind. Die über Konfessionen und Grenzen hinaus denken und bereit sind, von anderen zu lernen. Das passiert zu einem Teil im Netz. Es ist aber auch schön, wenn man sich tatsächlich physisch begegnet.

Viel Inspiration stammt dabei für mein Leben und Arbeiten als Pastor gerade auch von außerhalb der kirchlich-christlichen Szene. Aber auch innerhalb unseres christlichen Kosmos bilden sich Netzwerke, die ich spannend finde. Kirche² hatte ich schon einmal hier erwähnt – hier entstehen neue Ausdrucksformen von Kirche in katholischen und evangelischen Kontexten, tauschen sich gegenseitig aus und werden begleitet. Ich bin froh und stolz, dass so etwas in unserer Landeskirche möglich ist und gefördert wird. Das wäre vor zehn Jahren so glaube ich noch nicht denkbar gewesen.

Netzwerke von Menschen, die in verschiedenen Kontexten, aber mit ähnlichen Fragen und Sehnsüchten unterwegs sind – über Konfessionen und Grenzen hinaus

Ein anderes Netzwerk, dem ich mich schon ein paar Jahre länger zugehörig fühle, ist Emergent Deutschland. Die Emergent-Bewegung habe ich in unserer Zeit in den USA 2006-07 in verschiedensten Facetten kennenlernen dürfen. Sie spielt hier in Deutschland keine so große Rolle wie dort, aber nichtsdestotrotz bin ich sehr dankbar, auch in Deutschland bei Foren, Stammtischen und Emergent-Camps verschiedene Menschen aus allen möglichen Kirchen, Gemeinden und Gemeinschaften kennengelernt zu haben, die ähnliche Fragen bewegen wie mich.

Von Donnerstag an probieren wir in diesem Zusammenhang an einem Ort in der Nähe von Kassel ein neues Format aus, das CON:FUSION getauft wurde – eine Gelegenheit zur intensiven Auseinandersetzung mit Themen zwischen Kirche, Kultur und Gesellschaft. Selbstorganisiert, inspirierend, kreativ, intellektuell und kommunitär soll das ganze laut Vorbereitungskreis stattfinden. Eine überschaubare Gemeinschaft auf Zeit teilt ihre Ressourcen, um zu wichtigen Fragen neue Impulse zu entwickeln. Ich berichte dann bestimmt nochmal, was wir zur Ent-Bürgerlichung des Christentums, zur flüssigen Moderne und zum spirituellen Widerstand herausgefunden haben. Nur nicht zu klein denken …

(Bild: Riccardo Cuppini, Flickr Creative Commons, Ausschnitt)

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