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Von der Liebe zum Eigenen und zum Anderen

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Mein Eindruck der letzten Wochen in den Debatten um die sog. Flüchtlingskrise ist, dass all die Argumente, die in den Kommentarspalten ausgetauscht werden, dass all die Posts und Videos in den sozialen Netzwerken, dass all dies jedenfalls nicht die Wirkung hat, das jeweils andere Lager maßgeblich argumentativ zu überzeugen. Die Emotionen (Mitgefühl, Erschrecken, Sorge, Angst) sind stärker als Argumente, Daten, Fakten etc. Die allermeisten haben sich positioniert, im Lager der sog. „Gutmenschen“ oder dem der „Besorgten“. Manche versuchen noch zu vermitteln, aber sehen sich irgendwann auch gezwungen, sich aufgrund der immer neuen Schreckensmeldungen zu der einen oder der anderen Gruppe zu schlagen. Dabei ist dann auch entscheidend, ob es eher die Schreckensmeldungen aus den Krisengebieten (Folterungen, Exekutionen, Zerstörung von Kunst und Kultur, Bomben, Vergewaltigungen) oder die Schreckensmeldungen vor Ort (Schulsport wegen Belegung der Turnhalle nicht mehr möglich) sind, die das eigene Wohlbefinden mehr in Unruhe versetzen. Mir scheinen die Fronten ziemlich festgezurrt und verhärtet. Die Kommentarspalten zu allen Beiträgen mit Flüchtlings-Thematik lesen sich irgendwie immer ziemlich ähnlich.

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Von einer bedeutungslos werdenden Volkskirche zur „Kirche mit anderen“

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Ein weitverbreitetes und beliebtes Deutungsmuster zur steigenden Bedeutungslosigkeit der Volkskirchen in unserem Land funktioniert ungefähr so:

„Immer weniger Menschen kommen in die Kirchen. Der Grund dafür ist allerdings nicht, dass das Volk nicht spirituell interessiert wäre. Ganz im Gegenteil: Wir leben in der Zeit des Post-Säkularismus. Die Menschen tragen einen ganzen Bauchladen voller spiritueller Fragen und Sehnsüchte mit sich herum. Nur sind ausgerechnet die Kirchen der letzte Ort, an dem sie diese Fragen stellen, da sie dort keine Antworten mehr erwarten.“

Weitverbreitet ist dieses Deutungsmuster interessanterweise gerade innerhalb der kirchlichen Landschaft. Und zwar vermutlich deshalb, weil es in einer Zeit, die stattdessen auch depressiv machen könnte, einen gerade noch erträglichen Mix aus angeblich realistischer Gegenwartsanalyse bei immerhin noch vorhandener Zukunftsperspektive bietet: Zwar hat die Kirche bisher an den Leuten vorbeigeredet, weil sie Antworten auf Fragen gegeben kann, die so gar nicht gestellt worden waren. Aber nun, da dieses Problem erkannt ist, hat sie die Möglichkeit, sich als ehemaliger Monopolist auf dem Feld der Sinnsuche den heute aktuellen spirituellen Fragen der Menschen zuzuwenden und ihre Deutungshoheit im Hinblick auf die wirklich wichtigen Themen des Lebens zurückzugewinnen.

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Eingereiht

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Da steht er in der Schlange. In einer Reihe mit den Zuhältern und den Abzockern. Er hat sich eingereiht am Ufer des Flusses und wartet, bis er dran ist. Er steht da zwischen Menschen, die den Fehler zuerst bei sich suchen. Und sich ändern wollen. Noch einmal neu anfangen.

Zumindest heute tun sie das. Weil sie ahnen, dass Neuanfänge flüchtig sein können. Wenn sie denn nur im eigenen Herzen stattfinden. Und keiner etwas mitbekommt. Morgen kann die Welt schon wieder ganz anders aussehen. Was ich heute in aller Klarheit über mich selbst gesehen habe, kommt mir morgen vielleicht schon vor wie eine kitschige religiöse Idee. Worüber ich mich heute erschrocken habe, ist vielleicht morgen gar nicht mehr so dramatisch. Andere sind ja auch nicht besser als ich. Vielleicht mach ich einfach doch so weiter wie bisher …

Aber heute ist heute. Und heute wollen die, die da in der Reihe stehen, dieses äußere Zeichen. Dieses Zeichen, das den Neuanfang spüren lässt. Dieses öffentliche Zeichen. Das den Neuanfang sichtbar macht.

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Con:Fusion 2014

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Die vergangenen Tage habe ich in einer Gemeinschaft von etwa 40 Menschen südlich von Kassel am Mosenberg verbracht. Organisiert wurde dieses Treffen vom Netzwerk Emergent Deutschland, dem ich mich seit einigen Jahren verbunden fühle. Aus meiner Sicht war es ein sehr gelungenes Format. Ich stelle allerdings auch fest, dass es gar nicht so einfach ist, anderen in wenigen Worten zu beschreiben, worum es ging. Die gängigen Begriffe für Veranstaltungen außerhalb der Arbeitszeit wie „Tagung“, „Seminar“, „Urlaub“, „Fortbildung“ oder „Konferenz“ treffen es alle irgendwie nicht richtig.

Vielleicht haben wir so etwas wie eine „Kurzzeit-Kommunität“ gelebt. Mit einem gemeinsamen geistlichen Rhythmus – Walter und Peter hatten die Stundengebete aus Iona mitgebracht und ins Deutsche übertragen. Mit gemeinsamer Essensvorbereitung, gutem Essen und Trinken. Mit einem gemeinsamen Leben auf engem Raum und wenig Privatsphäre (4-Bett-Zimmer, 2 Bäder auf dem Flur). Mit kleineren Konflikten. Mit Menschen, die einem schon auf den ersten Blick sympathisch sind und solchen, für die sich ein zweiter Blick lohnt. Eine beengte Unterkunft also. Ein ungünstiger Termin. Noch nicht einmal als Fortbildung für mich zu verbuchen. Und trotzdem sehr gelungen.

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Von unMonastery zu CON:FUSION – Kommunen, aber mit Internet

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Theresia Enzensberger von den Krautreportern berichtet von einem spannenden Projekt in Matera, Süditalien. Dort haben sich Künstler, Programmierer und Aktivisten zusammengefunden, um Großes zu denken und zu planen: „Eine Gruppe von Leuten verwaltet und bewohnt ein leerstehendes Gebäude und arbeitet gleichzeitig an Projekten, die dem Wohl der Gemeinde dienen sollen – mit nichts als Code, gutem Willen und ihren eigenen Fähigkeiten.“

UnMonastery heißt das Projekt. Schon der Name weist auf das Erbe hin, auf dem die Gemeinschaft aufbaut – das Kloster. Ähnlich wie in monastischen Gemeinschaften entsteht ein Raum zum Leben und Arbeiten, in dem vieles möglich ist. Dabei ist der lokale und soziale Bezug zum direkten Umfeld im Unterschied z.B. zu Hackerspaces entscheidend wichtig. Die unMonastery sei „eine Kommune, aber mit Internet“, so der interne Witz. Transparenz, Zugänglichkeit und Dokumentation sind unhinterfragbare Werte. Die Geschichte der Bewegung wird in einem „Book of Mistakes“ als WIKI laufend festgehalten – ein sehr selbstkritischer Ansatz, der die Fallstricke, die vergleichbare Lebens- und Arbeitsgemeinschaften im Laufe der Geschichte erlebt haben, ernst nimmt.

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Eine bewegende Begegnung

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Heute nachmittag durfte ich Guvara aus Syrien kennenlernen. Eigentlich heißt er anders, aber im Netz nennt er sich so, um sich und seine Familie, die nach wie vor in Syrien lebt, zu schützen. Deshalb tue ich es auch. Diese Begegnung hat mich auf eine Weise bewegt wie wenige andere.

So sehr, dass ich gerade im Gottesdienst zum Buß- und Bettag meine vorbereitete Predigt nach der Hälfte zur Seite gelegt habe und von seiner Geschichte erzählt habe. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich selbst auf der Kanzel innerlich so bewegt war, dass ich gar nicht mehr weiterkam und selbst nur unter Tränen zum „Amen“ gelangt bin. Ich möchte euch auch gerne von ihm erzählen: