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Rassismus (Teil 9) – Blackfacing

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Blackfacing ist rassistisch.

Ich schreibe das so deutlich, weil es gerade hier in der Nähe zu den Niederlanden im Hinblick auf den sog. „Schwarzen Piet“ offenbar immer noch akzeptabel ist, die Tradition gegenüber „Sensibilitäten von Minderheiten“ zu verteidigen.

Morgen ist Dreikönigstag. Auch bei den Sternsingern gab es lange die Tradition, ein Kind gelb und eins schwarz anzupinseln, um die verschiedenen Erdteile darzustellen. In den letzten Jahren ist diese Praxis zurecht in die Kritik geraten.

Was ist das Problem damit, Gesichter schwarz anzumalen?

Es gibt mindestens zwei. Problem Nummer eins: Man muss sich klar machen, in welchem Kontext Blackfacing entstanden ist. Nämlich im Zusammenhang der sog. Minstrel-Shows in den USA. Weiße Schauspieler stellten dort Sklaven da – mit schwarzer Haut und übertrieben dicken Lippen. Die Dargestellten waren dann etwas dümmlich, naiv, zum Teil boshaft, aber immerzu gut gelaunt. Underlying message: Sklave sein ist gar nicht so schlimm! Wer sich also heute das Gesicht schwarz anmalt, stellt sich auch in diese Tradition. Das sollte man wissen

Problem Nummer zwei: Es werden rassistische Stereotype weiterverbreitet. Schwarze werden auf bestimmte äußerliche Merkmale reduziert: Hautfarbe, Lippen, Frisuren, Ohr- und Nasenringe. Das Merkmal Hautfarbe – allein dafür verantwortlich, dass jeden Tag in Deutschland viele Menschen diskriminiert werden – wird von Weißen als Kostüm behandelt, das beliebig einfach als Spaß an- und abgelegt werden kann. Noch im Oktober gab es beim Versandhaus Otto.de Afrikaner-Kostüme mit Bastrock, Afro-Perücke und Knochen. Ein anderer Kostümverleih hatte das Modell „Buschmann“ mit Leoparden-Slip und Riesenpenis (hängend) im Programm.

Dass zudem Hautfarbe nicht gleichbedeutend mit der Herkunft von einem bestimmten Kontinent und auch Europäer die unterschiedlichsten Hautfarben haben können, ist inzwischen auch Verantwortlichen der Sternsinger-Aktion aufgefallen. Also: Malt euch nicht schwarz an. Und wenn ihr Erwachsene seht, die es (auch Kindern an-) tun, macht sie darauf aufmerksam, was sie tun.

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe über Rassismus. Hier findest du die anderen Beiträge:

Teil 1: Zuhören als Grundvoraussetzung
Teil 2
: Doch nicht in Deutschland!
Teil 3: Geschichte ist nicht obsolet
Teil 4: White Privilege
Teil 5: Happyland
Teil 6: White fragility
Teil 7: Mikroaggressionen
Teil 8: Sprache

[Bild: Gerard Stolk, flickr (Ausschnitt); Creative Commons 2.0]

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