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Ein Tag im BAMF

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Heute war ich zum ersten Mal im „Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“. Konkret: In seiner Außenstelle in Bramsche. Diese Erfahrung und die Geschichte von Lamaj (deren Name ich geändert habe) möchte ich gerne mit euch teilen. Und gleichzeitig noch meine Gedanken und Empfindungen zu diesem Tag etwas sortieren.

Lamaj hat mich gebeten, sie als sog. „Beistand“ zu begleiten. Ihre Geschichte ist ungefähr die Folgende: Im Libanon in einer vergleichsweise weltoffenen Familie aufgewachsen, kommt sie nach dem Tod ihrer Eltern zu einem anderen Teil der Familie, wird dort zu einem streng muslimischem Leben als Frau gezwungen und widersetzt sich diesem wiederholt. Sie verschwindet, ihre Familie findet sie und holt sie zurück. Dies führt zu dauernden Konflikten und auch zu Gewalt ihr gegenüber mit Schlägen bis zur Bewusstlosigkeit und einem Krankenhausaufenthalt. Als sie ankündigt, Christin werden zu wollen, wird ihr mit dem Tod gedroht. Eine Anzeige bei der Polizei wird nach Auftauchen des tätlich gewordenen Familienmitglieds vor ihren Augen zerrissen – er hat Beziehungen und Geld. Sie dagegen hat einen Job bei einer NGO. Sie ist nicht mittellos, aber sie kann es im Libanon nicht mehr aushalten und fürchtet um ihr Leben. Während eines Urlaubs in Frankreich entscheidet sie spontan, nie wieder zurückzukehren und beginnt ganz allein und nun doch mittellos ein neues Leben als Flüchtling, nachdem sie noch kurz zuvor indirekt für selbige gearbeitet hatte.

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Sonne. Und Regen. Und Sonne. Mein Pfingsten.

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Vor gut einem Jahr haben wir es zum ersten Mal versucht. Ich hatte Leute, die sich zum Teil gar nicht kennen, an unseren Küchentisch eingeladen. Und wir haben uns gegenseitig Lieder und Texte geschenkt – mit ihnen viel Persönliches, Geschichten aus den Leben. Zwischen diesem ersten Treffen und dem zweiten lag eine lange Zeit. In etwas veränderter Besetzung dann aber gestern Runde Nummer zwei. Thema war „Sonne. Und Regen. Und Sonne.“

Ich habe den anderen von meiner Woche erzählt. Von den Freuden der Konfirmation. Und vom Schmerz bei der Beerdigung unserer Kindergartenleiterin. Sie fehlt sehr. Auf ihrer Beerdigung hatte ich ein Lied gesungen über die Kraft, die manchmal fehlt. Und darüber, dass jemand anders für uns stark sein kann, wenn wir es nicht sind. Das Lied hat mich im ganzen letzten Jahr begleitet. In den letzten Tagen noch einmal besonders.

Gestern habe ich es dann noch einmal geteilt (so ähnlich wie im Video hätte es klingen können, wenn du Gitarre gespielt hättest, Bobby).

Nawras, der seit fast zwei Jahren in Nordhorn lebt, hat uns ein Preview seines sehr beeindruckenden Films „Nordhorn – City of Love“ gezeigt. Er hat ihn gedreht aus Dankbarkeit für das, was er hier in der Stadt an Gastfreundschaft erlebt hat. Ich freue mich schon sehr darauf, ihn auch bald mit euch teilen zu können, aber er ist noch nicht ganz fertig. Wir haben darüber gesprochen, wie es nicht nur Teufelskreisläufe in der Welt geben kann, sondern auch Segenskreisläufe in Gang gesetzt werden können. Wir haben beeindruckende eigene Texte von Regen und Sonne, von Schmerzen und neuem Vertrauen ins Leben gehört. Bobby und Sanna haben uns mit hinein genommen in die Geschichte des Lebens und Sterbens vom Musiker und Komponisten Louis Ignatius Gall, den die beiden bis zum letzten Atemzug begleitet haben und dessen Geschichte ihr euch hier anschauen könnt. Er hatte vor seinem Tod noch ein fröhliches Stück für den Sohn von Bobby und Sanna komponiert (der unsere Runde gestern komplettierte), das wir nach jüdischer Trauermusik hören durften.

Jede und jeder kam irgendwie mit der eigenen Geschichte vor. Selbstverständlich haben wir auch noch bis kurz vor Mitternacht die großen weltpolitischen und religiösen Themen beackert (und weitesgehend geklärt). Aber was mich auch am Morgen danach noch begleitet, ist, dass es gelingen kann, dass ganz unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Ländern (in dem Fall Schottland, Syrien, Niederlande, Deutschland und sogar Ostfriesland!) mit unterschiedlichen Hintergründen (jüdisch, christlich, agnostisch und kommunistisch) sich wirklich von Mensch zu Mensch begegnen, wenn sie eigenen Schmerz und eigenes Glück behutsam miteinander teilen.

Manche mögen behaupten, es wäre der Wein gewesen. Den gab es auch. Aber nicht so viel, als dass es als hinreichende Begründung gelten könnte. Für mich war es Pfingsten.

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Ostern an Karfreitag

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Gestern haben wir erstmalig einen für mich ganz wunderbaren Frühgottesdienst „Vom Dunkel ins Licht“ gefeiert. Mit dem Aushalten der Dunkelheit, mit der Weitergabe des Lichts, in der Taufe eines Jugendlichen und im Abendmahl durften wir spüren, was Neuanfang bedeutet. Was wäre das Leben, wenn wir nicht neu beginnen könnten, wenn etwas zu Ende geht. Das ist auch für mich gerade wichtig.

Mein persönliches Ostern ereignete sich allerdings eigentlich schon am Karfreitag-Nachmittag. Schon seit einigen Tagen hatten wir ein Zimmer gesucht. Für einen Flüchtling aus Syrien, dessen große Familie schon einige Monate in Nordhorn lebt und der verständlicherweise auch hier bei ihnen sein wollte und nicht in einer anderen deutschen Stadt. Unsere Stadt wiederum hatte zurecht darauf aufmerksam gemacht, dass es an irgendeinem Punkt Einschränkungen dafür gibt, wie viele Menschen in einer Wohnung mit einer bestimmten Fläche angemeldet sein dürfen. Und so brauchten wir vor allem eine neue Meldeadresse für ihn.

Bildschirmfoto 2016-03-28 um 06.35.03Nach einigem Suchen hatten wir dann am Karfreitag plötzlich zwei Optionen für Samih: Eine für drei Monate leer stehende Wohnung mitten in der Stadt, die der eigentliche Bewohner (obwohl unterwegs und nicht darauf vorbereitet) einem völlig Fremden voll Vertrauen überlassen hätte. Und ein kleines Zimmer in der Nähe unserer Kirche bei einer Familie, deren Tochter gerade ausgezogen und nur noch zeitweise zu Hause ist.

Und so kam es zu einem spontanen Treffen im Wohnzimmer von Andrea und Michael, zwei Engagierten unserer Gemeinde, und ihren Kindern, die unseren syrischen Neubürgern in Sachen Gastfreundschaft mal überhaupt nicht nachstehen. Und das muss ich euch kurz beschreiben, weil es so typisch und wunderbar ist: Im Wohnzimmer saßen Anke, eine unserer treuesten Mitarbeiterinnen beim Flüchtlingscafe „Open Door“. Dann Anas, der mit seinem Dankesbrief an das deutsche Volk im Dezember die Aufmerksamkeit aller nationalen Medien erhielt und der inzwischen bei Michael und Andrea mit im Haus wohnt. Außerdem Samiu, Marjola, Emi und Rajani aus Albanien – eine Familie, die vermutlich auch irgendwann bald abgeschoben wird, die aber in der Zwischenzeit nicht müde wird, anderen mit ihrer Fröhlichkeit und Herzlichkeit zu helfen. Samiu hatte an Weihnachten den meisten Text als einer der Weisen in unserem Krippenspiel, obwohl er nach ein paar Wochen in Deutschland quasi kein Deutsch sprach. Er hat dann einfach die Laute gelernt und dabei versucht zu verstehen, was er eigentlich sagt. Jetzt im März übersetzt er für uns zwischen Deutsch und Arabisch, was er als Albaner neben Englisch zufällig auch noch perfekt spricht. Und dann eben Samih aus Syrien mit seiner Cousine Reem und seinem Cousin Basel, drei Personen dieser herzlichen, dankbaren christlichen Familie aus Syrien. Andrea hatte wunderbar Pizza gebacken für alle. Die Kinder, die sich inzwischen gut kennen, spielten zusammen und ich versuchte, Samih mit der Hilfe von Samiu die beiden Optionen „Wohnung und Zimmer“ zu erklären. Samih fragte zurück und für ihn ging es nur um die Familie. Etwas verwundert erklärte ich noch einmal, dass es eine komplette Wohnung für ihn als 19-jährigen direkt im Stadtzentrum gäbe – ob er das verstanden habe? Samih sagte, er würde gerne die Familie kennenlernen. Michael neben mir grinste und sagte zu mir: „Mich wundert das nicht.“ Der Wunsch nach Integration und Kontakt und das Bestreben, möglichst schnell deutsch zu lernen, ist auch seiner Erfahrung nach in der Regel viel stärker als die Frage nach Platz, Luxus etc.

Bildschirmfoto 2016-03-28 um 06.38.06Weil wir gerade zusammen waren, rief ich die Familie an. Selbstverständlich gelte das Angebot noch, ich könnte sofort mit Samih vorbeikommen. Das taten wir und waren 5 Minuten später da. Ein herzliches Willkommen durch vier strahlende Gesichter und einen Hund. Besichtigung des kleinen Zimmers. Erste Kommunikationsversuche mit Händen und Füßen. Das Angebot, nicht nur das Zimmer nutzen zu dürfen, sondern Teil der Familie zu werden – inklusive Essen, Wäsche etc. Ein glücklicher Samih.

Bildschirmfoto 2016-03-28 um 06.33.50Es gibt größere Häuser in Nordhorn. Es gibt Familien, die in den letzten Jahren deutlich weniger an Krankheit und Leid und Schwierigkeit selbst durchgemacht haben und gerade durchmachen. Es gibt Menschen, die viel mehr an Geld und Besitz haben als diese Familie. Aber für sie war es einfach selbstverständlich zu helfen (da wussten sie noch gar nichts davon, dass die Stadt wahrscheinlich eine kleine Miete zahlt) mit dem, was sie anbieten können. Das hat mich sehr beeindruckt.

Bildschirmfoto 2016-03-25 um 16.57.14Gleich vorgestern ist Samih eingezogen. Für ihn ein Neuanfang. Für uns alle ein bisschen Ostern. Gemeinsam mit seiner neuen Gastmutter und seiner Familie war er dann auch bei der Osternacht dabei. Am Ende haben wir uns „Frohe Ostern“ gewünscht. Da ging gerade die Sonne auf.

 

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Das Kreuz mit dem Kreuz

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Der Gerichtspräsident des Amtsgerichts Saarbrücken hat Kreuze aus seinen Sitzungssälen entfernen lassen. Und sofort flammt die Debatte um das Kreuz im öffentlichen Raum wieder auf, die ja in den 90er Jahren besonders im Hinblick auf Klassenzimmer geführt wurden. Die einen argumentieren mit der weltanschaulichen Neutralität des Staates, die anderen fürchten um den Untergang des christlichen Abendlandes und ziehen ihrerseits mit dem Kreuz im Gepäck in einen Kulturkampf. Und dabei kommt es zu einem für mich fast kuriosen Streit um die Deutungshoheit dieses Symbols.

Denn das Kreuz ist ja zunächst ein Symbol. Und Symbole sind bedeutungsoffen – oder zumindest bedeutungsreich. In jedem Fall ein religiöses Symbol wie das Kreuz. Denn im Unterschied z.B. zu einem Verkehrszeichen liegt die Deutung von einem Symbol wie dem Kreuz ja eben auch im Auge des Betrachters. Wäre ein Verkehrszeichen bedeutungsoffen, hätte es vermutlich ganz katastrophale Folgen. Beim Kreuz ist der Spielraum dessen, was man unter diesem Symbol verstehen kann, deutlich größer. Inwiefern auch in aktuellen Stellungnahmen von Christen-Menschen dem Kreuz ganz Unterschiedliches zugeschrieben wird, dazu unten mehr. Gerade im Hinblick auf religiöse Symbole lässt sich nachvollziehen, dass diese sich auch nicht rein rational interpretieren lassen, sondern immer auch einen Bedeutungsüberschuss in sich tragen, der sowohl kulturell gefärbt ist als auch für den einzelnen Betrachter oft emotional belegt ist. Vielleicht erklärt dies auch die Intensität der Debatte an manchen Stellen.

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Zwei Briefe

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Heute war DER BRIEF in der Post. Im Briefkasten von Pellumb, Linditha und ihrer Tochter Arensa. Genau an dem Tag, an dem Linditha für ihr Bewerbungsgespräch üben wollte.

Arensa konnte schon nach kurzer Zeit deutsch. Inzwischen ist sie Klassenbeste. Jeder auf dem Schulhof kennt sie. Sie ist sehr beliebt. Sie lacht viel. Beim Krippenspiel wollte sie gerne mitmachen. Hat sogar einem anderen Flüchtlingskind geholfen, das gar kein Deutsch konnte. In sechs Wochen wurde sie von einer Nichtschwimmerin zur Freischwimmerin. Sie ist im Sportverein. Sie hat viele Freundinnen.

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Von der Liebe zum Eigenen und zum Anderen

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Mein Eindruck der letzten Wochen in den Debatten um die sog. Flüchtlingskrise ist, dass all die Argumente, die in den Kommentarspalten ausgetauscht werden, dass all die Posts und Videos in den sozialen Netzwerken, dass all dies jedenfalls nicht die Wirkung hat, das jeweils andere Lager maßgeblich argumentativ zu überzeugen. Die Emotionen (Mitgefühl, Erschrecken, Sorge, Angst) sind stärker als Argumente, Daten, Fakten etc. Die allermeisten haben sich positioniert, im Lager der sog. „Gutmenschen“ oder dem der „Besorgten“. Manche versuchen noch zu vermitteln, aber sehen sich irgendwann auch gezwungen, sich aufgrund der immer neuen Schreckensmeldungen zu der einen oder der anderen Gruppe zu schlagen. Dabei ist dann auch entscheidend, ob es eher die Schreckensmeldungen aus den Krisengebieten (Folterungen, Exekutionen, Zerstörung von Kunst und Kultur, Bomben, Vergewaltigungen) oder die Schreckensmeldungen vor Ort (Schulsport wegen Belegung der Turnhalle nicht mehr möglich) sind, die das eigene Wohlbefinden mehr in Unruhe versetzen. Mir scheinen die Fronten ziemlich festgezurrt und verhärtet. Die Kommentarspalten zu allen Beiträgen mit Flüchtlings-Thematik lesen sich irgendwie immer ziemlich ähnlich.

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Von einer bedeutungslos werdenden Volkskirche zur „Kirche mit anderen“

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Ein weitverbreitetes und beliebtes Deutungsmuster zur steigenden Bedeutungslosigkeit der Volkskirchen in unserem Land funktioniert ungefähr so:

„Immer weniger Menschen kommen in die Kirchen. Der Grund dafür ist allerdings nicht, dass das Volk nicht spirituell interessiert wäre. Ganz im Gegenteil: Wir leben in der Zeit des Post-Säkularismus. Die Menschen tragen einen ganzen Bauchladen voller spiritueller Fragen und Sehnsüchte mit sich herum. Nur sind ausgerechnet die Kirchen der letzte Ort, an dem sie diese Fragen stellen, da sie dort keine Antworten mehr erwarten.“

Weitverbreitet ist dieses Deutungsmuster interessanterweise gerade innerhalb der kirchlichen Landschaft. Und zwar vermutlich deshalb, weil es in einer Zeit, die stattdessen auch depressiv machen könnte, einen gerade noch erträglichen Mix aus angeblich realistischer Gegenwartsanalyse bei immerhin noch vorhandener Zukunftsperspektive bietet: Zwar hat die Kirche bisher an den Leuten vorbeigeredet, weil sie Antworten auf Fragen gegeben kann, die so gar nicht gestellt worden waren. Aber nun, da dieses Problem erkannt ist, hat sie die Möglichkeit, sich als ehemaliger Monopolist auf dem Feld der Sinnsuche den heute aktuellen spirituellen Fragen der Menschen zuzuwenden und ihre Deutungshoheit im Hinblick auf die wirklich wichtigen Themen des Lebens zurückzugewinnen.

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Eingereiht

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Da steht er in der Schlange. In einer Reihe mit den Zuhältern und den Abzockern. Er hat sich eingereiht am Ufer des Flusses und wartet, bis er dran ist. Er steht da zwischen Menschen, die den Fehler zuerst bei sich suchen. Und sich ändern wollen. Noch einmal neu anfangen.

Zumindest heute tun sie das. Weil sie ahnen, dass Neuanfänge flüchtig sein können. Wenn sie denn nur im eigenen Herzen stattfinden. Und keiner etwas mitbekommt. Morgen kann die Welt schon wieder ganz anders aussehen. Was ich heute in aller Klarheit über mich selbst gesehen habe, kommt mir morgen vielleicht schon vor wie eine kitschige religiöse Idee. Worüber ich mich heute erschrocken habe, ist vielleicht morgen gar nicht mehr so dramatisch. Andere sind ja auch nicht besser als ich. Vielleicht mach ich einfach doch so weiter wie bisher …

Aber heute ist heute. Und heute wollen die, die da in der Reihe stehen, dieses äußere Zeichen. Dieses Zeichen, das den Neuanfang spüren lässt. Dieses öffentliche Zeichen. Das den Neuanfang sichtbar macht.

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Con:Fusion 2014

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Die vergangenen Tage habe ich in einer Gemeinschaft von etwa 40 Menschen südlich von Kassel am Mosenberg verbracht. Organisiert wurde dieses Treffen vom Netzwerk Emergent Deutschland, dem ich mich seit einigen Jahren verbunden fühle. Aus meiner Sicht war es ein sehr gelungenes Format. Ich stelle allerdings auch fest, dass es gar nicht so einfach ist, anderen in wenigen Worten zu beschreiben, worum es ging. Die gängigen Begriffe für Veranstaltungen außerhalb der Arbeitszeit wie „Tagung“, „Seminar“, „Urlaub“, „Fortbildung“ oder „Konferenz“ treffen es alle irgendwie nicht richtig.

Vielleicht haben wir so etwas wie eine „Kurzzeit-Kommunität“ gelebt. Mit einem gemeinsamen geistlichen Rhythmus – Walter und Peter hatten die Stundengebete aus Iona mitgebracht und ins Deutsche übertragen. Mit gemeinsamer Essensvorbereitung, gutem Essen und Trinken. Mit einem gemeinsamen Leben auf engem Raum und wenig Privatsphäre (4-Bett-Zimmer, 2 Bäder auf dem Flur). Mit kleineren Konflikten. Mit Menschen, die einem schon auf den ersten Blick sympathisch sind und solchen, für die sich ein zweiter Blick lohnt. Eine beengte Unterkunft also. Ein ungünstiger Termin. Noch nicht einmal als Fortbildung für mich zu verbuchen. Und trotzdem sehr gelungen.

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Von unMonastery zu CON:FUSION – Kommunen, aber mit Internet

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Theresia Enzensberger von den Krautreportern berichtet von einem spannenden Projekt in Matera, Süditalien. Dort haben sich Künstler, Programmierer und Aktivisten zusammengefunden, um Großes zu denken und zu planen: „Eine Gruppe von Leuten verwaltet und bewohnt ein leerstehendes Gebäude und arbeitet gleichzeitig an Projekten, die dem Wohl der Gemeinde dienen sollen – mit nichts als Code, gutem Willen und ihren eigenen Fähigkeiten.“

UnMonastery heißt das Projekt. Schon der Name weist auf das Erbe hin, auf dem die Gemeinschaft aufbaut – das Kloster. Ähnlich wie in monastischen Gemeinschaften entsteht ein Raum zum Leben und Arbeiten, in dem vieles möglich ist. Dabei ist der lokale und soziale Bezug zum direkten Umfeld im Unterschied z.B. zu Hackerspaces entscheidend wichtig. Die unMonastery sei „eine Kommune, aber mit Internet“, so der interne Witz. Transparenz, Zugänglichkeit und Dokumentation sind unhinterfragbare Werte. Die Geschichte der Bewegung wird in einem „Book of Mistakes“ als WIKI laufend festgehalten – ein sehr selbstkritischer Ansatz, der die Fallstricke, die vergleichbare Lebens- und Arbeitsgemeinschaften im Laufe der Geschichte erlebt haben, ernst nimmt.